Schwarze Lotteriewetten

Wie Produktpiraten dem Gemeinwohl und dem Staat schaden

Produktpiraterie ist ein Milliarden-Geschäft. Der Verkauf von vermeintlich echt aussehenden Luxusuhren, imitierten Handtaschen oder kopierter Marken-Kleidung ist vielen Menschen bestens bekannt. Gefälschte, minderwertige Waren bedeuten für die geprellten Unternehmen einen immensen wirtschaftlichen Schaden. Viele Branchen sind von Markenfälschungen betroffen.

 

Aber Produktpiraterie im Lotto-Geschäft? Wie geht das?

Geht es um Produktpiraterie, steht der asiatische Raum im Fokus der Kritik – zuletzt in einem Bericht der EU-Kommission von Mitte März 2018. Im Lotto-Geschäft spielen dagegen sogar europäische Staaten – insbesondere Steueroasen wie Malta oder Gibraltar – ein falsches Spiel mit den Verbrauchern und den 16 staatlichen Lotteriegesellschaften. Oft haben Online-Firmen Lizenzen in Steueroasen bekommen, mit denen sie Glücksspiele illegal in Deutschland anbieten.

Produktpiraten – wie Lottoland, Lottohelden oder Tipp24 – sparen sich aufwendige Entwicklungsprozesse für Lotterien und kopieren einfach bereits bestehende Produkte wie den beliebten Klassiker „LOTTO 6aus49“ oder „Eurojackpot“, die europäische Millionenlotterie von LOTTO.

In der Praxis geht das so: In Deutschland sind zahlreiche Webseiten in deutscher Sprache zugänglich, die ohne deutsche Lizenz Kopien deutscher Lotterien anbieten – mit gleichen Ziehungsergebnissen, gleichen Quoten und gleichen Gewinnklassen wie bei den staatlichen Lotterien, beim Original. Die Produkt-Piraten locken mit Mega-Lotterien und Mehrfach-Jackpots und ködern Kunden mit Rabatt-Aktionen. Ihre Angebote erwecken den Anschein, dass die Tipper beim Original spielen. Allerdings: Wer bei diesen ausländischen Glücksspielkonzernen einen Tipp abgibt, schließt lediglich eine „schwarze Lotteriewette“ auf den Ausgang der Ziehung ab (auch „Schwarze Lotterie“ oder „Zweitlotterie“ genannt). Das bedeutet: Der Tipper wettet bei ausländischen Anbietern wie Lottoland (Firmensitz in Gibraltar), Lottohelden (Gibraltar) oder Tipp24 (London) darauf, dass seine Zahlen beispielsweise beim deutschen Original „LOTTO 6aus49“ gezogen werden. Diese Wetten auf Lotterien sind in Deutschland verboten, also illegal.

 

Beschwerden von geprellten Tippern häufen sich

Sechs Kreuze und eine Superzahl – also alles wie beim klassischen LOTTO 6aus49?

Ein Trugschluss, der Folgen haben kann. In Internet-Foren häufen sich Beschwerden von geprellten Tippern, die bei Anbietern aus Gibraltar oder Malta ihr Glück versucht haben.

Da ist die Rede von „Sperrung und Auszahlung verweigert“, „Hände weg von Lottoland“, „Lottoland-Betrug“ – und das ist nur ein kleiner Ausschnitt von Lotterie-Spielern, die sich betrogen fühlen. Die Erfahrungen zeigen, dass häufig kleinere Gewinnbeträge, zwischen fünf und 200 Euro, nicht ausbezahlt werden. Die Berichte zeigen, dass in einzelnen Gewinnfällen u. a. die Spielkonten der Tipper einfach gesperrt werden. (Beispiel: externer Link 1, weitere Belege unten unter weitere Informationen)

Eine Unternehmensreaktion auf Beschwerden scheint es nur in den seltensten Fällen zu geben. Einen Rechtsstreit gegen ein Unternehmen beginnen, das in einer Steueroase sitzt? Langwierig und kostspielig. Schon die Zustellung der Klageschrift in einer Steueroase ist kompliziert.

 

Verbraucherzentralen in Deutschland warnen

Das Verwaltungsgericht im Saarland hat in einem Urteil über die Thematik der schwarzen Lotteriewetten verhandelt. Das Fazit vom Februar 2017: „Die Klägerin betreibt unerlaubtes Glücksspiel.“

http://www.rechtsprechung.saarland.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=sl&nr=5579

Auch Verbraucherzentralen in Deutschland warnen davor, dass der Traum vom Glück zum Albtraum werden kann.

Eine Auswahl an Warnhinweisen:

Eine Verbraucherzentrale rät:

Verbraucher, die sicher gehen wollen, sollten deshalb – bevor sie sich auf einer Internetseite anmelden – nicht blindlings Prüf- und Bewertungssiegeln vertrauen, sondern

  1. im Impressum und in den AGBs nachschauen, mit welcher Firma sie es zu tun haben und wo der Firmensitz ist,
  2. anhand der aktuellen White List der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder überprüfen, ob der Tipp bei einem lizensierten Anbieter abgegeben wird,
  3. die AGBs gründlich lesen, auf die Datenschutzbestimmungen achten und so wenige Daten wie möglich von sich preisgeben.

Quelle: Website der Verbraucherzentrale Saarland, 
www.verbraucherzentrale-saarland.de/pressemeldungen/presse-sl/lotto-im-internet-worauf-sollte-man-achten-9145

 

Illegale Anbieter: Auf der Strecke bleibt das Gemeinwohl

Illegale ausländische Glücksspielkonzerne wildern zunehmend auf dem deutschen Markt. Anders als die staatlichen Lotteriegesellschaften, die einen großen Teil Ihrer Erträge an Staat und Gemeinwohl abführen, wirtschaften illegale Konzerne in die eigene Tasche.

Die ausländischen Konzerne schädigen nicht nur die Landeslotteriegesellschaften, sondern fügen Staat und Gemeinwohl schweren wirtschaftlichen Schaden zu: Millionen Steuerzahlungen in Deutschland bleiben aus, Millionen Fördersummen fließen nicht in die Bereiche Sport, Kultur, Umwelt und Soziales, sondern landen in den Geldbeuteln von Aktionären und Unternehmern.

Auf Grundlage des Jahresreports 2015 der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder drückt sich der Verlust für das Jahr 2015 in folgenden Verlust-Zahlen aus:

 

Deutschlandweit dramatische Zahlen

  • Minus 58 Millionen Euro an Lotteriesteuern
  • Minus 70 Millionen Euro an Fördergeldern

Aufgrund von rasanten Umsatzsteigerungen bei den schwarzen Lotteriewetten ist zu vermuten, dass der Schaden für das Gemeinwohl und für die Bundesländer mittlerweile weitaus höher einzuschätzen ist.

Anbieter aus dem Ausland höhlen somit das seit Jahrzehnten bestehende erfolgreiche Lotto-Prinzip aus. Für deutsche Lotterien gilt: Rund 40 Prozent der Einnahmen aller 16 staatlichen Lotterieanbieter kommen in Form von Steuern und Zweckerträgen dem Gemeinwohl zugute. Im vergangenen Jahr flossen rund 2,8 Milliarden Euro an das Gemeinwohl: als Lotterieabgaben an die Landeshaushalte sowie als Fördermittel für soziale Projekte, Sport, Kultur, Denkmal- und Umweltschutz.

Schwarze Lotteriewetten schmälern aber auch die Höhe der zu erzielenden Spielgewinne aller Lottospieler in Deutschland. Wenn die Spieleinsätze nicht in den Totalisator – so heißt der gemeinsame Gewinn-Topf der staatlichen Lotterien – fließen, füllen sich auch die Jackpots langsamer. Denn die ausländischen Glücksspiel-Konzerne führen kein Geld an die staatlichen Lotterien für die deutschen Jackpots ab. Schwarze Lotteriewetten entziehen das Geld dem deutschen Markt.

Autorin: Andrea Schramm

 

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Weiterführende Informationen:

Wichtige Gerichtsurteile

 

Parlamentarische Initiativen

Die Problematik schwarzer Lotteriewetten hat auch bereits die Landesparlamente beschäftigt. Einige wichtige Beschlüsse seine hier genannt.

 

Weitere Informationen

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Checkliste

Wie er­kennt man se­riö­se Lot­te­rie-An­bie­ter?

Hintergrund

Das Spielprinzip „schwarze Lotteriewette“
Beitrag von Prof. Dr. Thomas Dünchheim