Warum es in Deutschland ein Lotterie-Monopol gibt
23.05.2018

Glücksspiel ist kein normales Wirtschaftsgut wie Brot oder Kekse. Es birgt Gefahren wie Spielsucht, Manipulationsrisiken und Begleitkriminalität. Daher ist das Glücksspiel in Deutschland wie auch in den meisten anderen EU-Staaten reglementiert.

 

Das staatliche Lotteriemonopol hat nach § 1 Glücksspielstaatsvertrag (2012) folgende gleichrangige Ziele:

  1. das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern und die Voraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung zu schaffen,
  2. durch eine geeignete Alternative zum nicht erlaubten Glücksspiel darstellendes Glücksspielangebot den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete Bahnen zu lenken sowie der Entwicklung und Ausbreitung von unerlaubten Glücksspielen in Schwarzmärkten entgegenzuwirken,
  3. den Jugend- und den Spielerschutz zu gewährleisten,
  4. sicherzustellen, dass Glücksspiele ordnungsgemäß durchgeführt, die Spieler vor betrügerischen Machenschaften geschützt, die mit Glücksspielen verbundene Folge- und Begleitkriminalität abgewehrt werden und
  5. Gefahren für die Integrität des sportlichen Wettbewerbs beim Veranstalten und Vermitteln von Sportwetten vorzubeugen.

Um diese Ziele zu erreichen, sind differenzierte Maßnahmen für die einzelnen Glücksspielformen vorgesehen, um deren spezifischen Sucht-, Betrugs-, Manipulations- und Kriminalitätsgefährdungspotentialen Rechnung zu tragen.

 

Der DLTB gewährleistet den verantwortungsvollen Umgang mit Glücksspiel

  • Das geringe Spielsuchtrisiko bei staatlichen Lotterien liegt an der verantwortlichen und moderaten Ausgestaltung der angebotenen Lotterien in Deutschland. Der Anteil problematischer Glücksspieler bei LOTTO 6aus49 betrug 2015 lt. BZgA-Studie nur 1,9 % (Automatenspiel: 13 %).
  • In einem „entfesselten“, sog. liberalisierten Wettbewerbsmarkt würden die Glücksspielanbieter rücksichtslos um Kunden werben; das führt zu Erhöhung der Ziehungsfrequenz, Verstärkung der Werbung, ständige Verfügbarkeit, Veränderung der (schwer nachvollziehbaren) Gewinnpläne.
  • Erwirtschaftung von Mitteln für das Gemeinwohl (ca. 40% für Soziales, Kultur, Sport)
  • Die staatlichen Lotteriegesellschaften geben ihre Überschüsse an die Gesellschaft zurück: Die Gesellschaften des DLTB haben im Jahr 2015 rd. 2,8 Mrd. € für gute Zwecke erwirtschaftet (Quelle: EL Report 2015). Die Abgabenquote von der das Gemeinwohl profitiert, betrug rund 40 %.

Warum sind Lotterien und andere Glücksspiele so hoch reguliert:

Glücksspiel ist keine normale Dienstleistung, sondern birgt Gefahren wie Spielsucht, Manipulationsrisiko und Begleitkriminalität. Es muss verantwortungsvoll und gemäßigt betrieben werden.

Schließlich sind hohe Geldsummen im Spiel.

Das Manipulationsrisiko liegt bei Lotterien auf Ebene der Veranstalter; bei Wetten eher auf Ebene der Kunden.

Die Manipulationsmöglichkeiten auf Veranstalterseite erfordern Regeln und Vertrauenswürdigkeit.

 

Welche Konsequenzen hätte eine Marktöffnung?

Vergleich möglicher Angebotsformen: 

 

Lotterien im Monopol Lotterien im Wettbewerbsmarkt

Lotterien in Deutschland (Monopol) zeichnen sich durch ein verantwortliches Glücksspiel aus:

  • Sozialverträgliches Glücksspielangebot,
  • Hohe Anforderungen an den Spielerschutz / verantwortliches Spielen (Responsible Gaming),
  • Moderate Gewinnausschüttung von 50 %,
  • Die Überschüsse kommen als Zweckerträge der Gesellschaft zugute,
  • Die Gesellschaft partizipiert an dem Geschäftsmodell durch die Mittel für Gemeinwohlförderung ,
  • Hohe Durchgriffsmöglichkeiten der staatlichen Glücksspielaufsicht / Regulierung.
  • Renditeorientiertes Vorgehen,
  • führt zu hohen Vermarktungsaktivitäten aller Anbieter,
  • Anbieter kommen unter Kostendruck,
  • Manipulations- und Betrugsgefahr,
  • Angebot von nicht seriösen Anbietern,
  • Marktausstieg / Marktbereinigung – Marktkonzentration führen mittelfristig wieder zu monopolartigen Strukturen, die wegen der hohe Renditeorientierung privater Unternehmen  missbraucht werden könnten.
  • Kunden verlieren das Vertrauen in die Produkte
  • Abgaben für das Gemeinwohl gehen drastisch zurück und werden ggf. durch werbliches, auf ROI ausgerichtetes Sponsoring ersetzt.

 

Lotterie-Monopol im Ausland

Das Lotteriemonopol wird in den meisten anderen europäischen Staaten nicht in Frage gestellt.

Lotteriemonopole innerhalb der EU: Im Hinblick auf das Lotteriemonopol ist für die 28 EU-Staaten festzustellen, dass nahezu jedes Land über ein Lotteriemonopol verfügt, allerdings in unterschiedlicher Definition und Ausgestaltung.

Die Facetten reichen von der Veranstaltung bzw. Durchführung von Lotterien durch staatliche Betreiber über ein Ausschreibungsmodell (wie z. B. in UK oder Österreich) bis hin zur Vergabe (Ausschreibung) von Exklusivlizenzen für definierte Lotterien in Italien. Länder wie Finnland und Norwegen (kein EU-Mitgliedstaat) verfolgen ein umfassendes Glücksspielmonopol (Lotterien, Sportwetten, etc.).

Auch im europäischen Ausland wird das Lotteriemonopol mit Betrugs- und Kriminalitätsbekämpfung, der Sicherstellung des Spieler-/ Verbraucherschutzes sowie der Spielsuchtvermeidung begründet.

 

Illegales Glücksspiel und schwarze Lotteriewetten

(Nachfolgende Aufzählung nach Dr. Ingo Fiedler, Institut Recht der Wirtschaft, Universität Hamburg, bei einem Vortrag in München am 23.3.2017)

  • Schwarze Lotterien sind keine echten Lotterien, sondern Wetten auf staatliche Lotterieziehungen
  • Ausländische Anbieter ohne Lizenz in Deutschland, d. h. illegales Glücksspiel-Angebot
  • Produktpiraterie: sie bilden oft die Struktur des staatlichen Lotterieangebots täuschend echt ab
  • Kannibalisierung der staatlichen Lotterieangebote
  • Zahlen kaum Steuern in Deutschland
  • Keine Gemeinwohlorientierung, keine verlässlichen Zweckerträge bzw. Good Causes
  • Versicherungsmodelle / Hedging zur Risikoabdeckung
  • Hohe Jackpots können eventuell nicht ausgezahlt werden
  • Staatliche Lotterien schütten 40% an den Fiskus und wohltätige Zwecke wie Breitensport aus. Dagegen wirtschaften Anbieter schwarzer Lotteriewetten in die eigene Tasche. Der Ertrag, bzw. Verlust der Spieler, fließt zu 100% an private Eigner im Ausland und Aktionäre
  • Anbieter schwarzer Lotteriewetten versuchen durch massive Marketingaktionen den staatlichen Lotterien Marktanteile abzujagen
  • Wachstum erzielen sie vor allem durch anheizende Werbung in Mainstream Medien (TV und Boulevardmedien)
  • Geschätzte Problemgröße: über 200 Mio. € pro Jahr und stark wachsend
  • Werbung im TV suggeriert Legalität (wirken durch Werbebekanntheit auf den Verbraucher vertraut und legitim)
  • Verbraucher sind jedoch weniger geschützt vor:
    • Suchtgefahren
    • Fehlleitender Werbung
    • Nichtauszahlung von Gewinnen (Risiko vor allem bei Kleingewinnen und hohen Jackpots)

 

Angesichts massiver Werbung der Anbieter schwarzer Lotteriewetten warnt der DLTB Federführer Torsten Meinberg:  „Durch Schwarze Lotteriewetten werden Verbraucher in die Irre geführt. Nach unseren Erfahrungen wird dort der Spielerschutz vernachlässigt.

Die Gesellschaft insgesamt leidet unter den illegalen Angeboten. Während die staatlichen Lotterien mit Zweckerträge das Gemeinwohl massiv fördern, wirtschaften die Anbieter schwarzer Lotteriewetten in die eigene Tasche.“

Zusammenfassend kritisiert der DLTB-Vertreter: "Die Gewinne der ausländischen Anbieter von schwarzen Lotteriewetten sind die Verluste der Bürger, denn das Geld wird dem Gemeinwohl in Deutschland insgesamt entzogen."

 

Autorin: Madeleine Göhring

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